Den Profis über die Schultern schauen

Am Donnerstag gehen die Tüftlerinnen und Tüftler auf Exkursion. Der Ausflug in einen Industriebetrieb der Region ist seit jeher fix im Programm des TüftelCamps. Aus einem triftigen Grund: Die Jungs und Mädels erleben hautnah, wie der Arbeitsalltag eines Profitüftler aussieht. Denn noch immer fehlt es im MINT-Bereich an Nachwuchs. tüfteln.ch sowie zahlreiche Partner wollen dem mit verschiedenen Aktionen entgegenwirken. Die Exkursion ist nur eine von vielen Versuchen. Wir waren mit den Tüftlern aus Brunnen bei Victorinox zu Besuch.

Mit neugierigen Blicken rücken die zehn Jungs und Mädchen näher. Vorsichtig und noch etwas schüchtern. "Hier muss ich die passenden Kabel und Schalter einsetzen." Mit grossen Augen schauen die Nachwuchstüftler aus Brunnen wie David, Automatiker in Ausbildung, mit ruhiger Hand ein dünnes Käbelchen in den grossen Kasten vor ihm einpflegt. 

Echte Eindrücke und echte Vorbilder

Staunende Augen und neugierige Fragen gibt es an dem Morgen immer und immer wieder. Die Nachwuchstüftler vom Campstandort Brunnen sind am Donnerstag zu Besuch bei Victorinox. Die Jungs und Mädchen erhalten Einblick in die Produktionshallen des Schweizer Traditionsbetriebes. Sie verfolgen, wie aus einem Stück Metall das berühmte rote "Sackmesser" wird. Und: Sie treffen auf Profitüftler - so wie David, einer von 56 Lernenden am Standort in Ibach.

Die Tüftler in Ausbildung lernen die Kinder gleich zu Beginn der Exkursion kennen. Zusammen mit einigen Lernenden arbeiten sie an einem kleinen Projekt: Sie bauen aus Metallteilen einen Schmetterling. Im zweiten Teil, auf der Tour durch den Betrieb, erhalten die Jungs und Mädels dann Einblick in die Aufgaben und den Arbeitsalltag der Profitüftler. Die Exkursion soll so eine direkte Verbindung schaffen vom eigenen Experimentieren im Tüftellabor zu den vielen Berufsmöglichkeiten, welche der MINT-Bereich zu bieten hat.

Ein Berufsfeld mit vielen Möglichkeiten

Diese Vielfalt zeigt sich innerhalb der Firma: So bietet Victorinox sieben verschiedene Berufslehren an - vom Messerschmied über den Automatiker bis zum Polymechaniker. Genauso vielseitig sind aber auch die Branchen. Jeder der dreizehn Camp-Standorte ist zu Besuch in einem Industriebetrieb in seiner Region. Die Themenliste im TüftelCamp-Flyer zeigt die ganze Bandbreite: Lasertechnik, Verkehr, Drohnen, Buchmanufaktur - oder eben Taschenmesser.

Wobei Victorinox viel mehr macht, als das weltbekannte Taschenmesser, wie Toni Blaser, Leiter der Lehrlingsausbildung, gleich zu Beginn der Exkursion erklärt. Im Betrieb in Ibach werden zwar täglich 120'000 Messer produziert. Victorinox stellt aber auch Koffer oder Maschinen her. Auch mehrere der grossen Produktionsmaschinen, welche die jungen Besucher auf der Tour zu sehen bekommen, sind am Standort in der Innerschweiz entstanden.

Feuer, Eis und grosse Maschinen

Während fast zwei Stunden führt Toni Blaser die TüftelCamper durch die Fabrik- und Produktionshallen. Er erklärt die Maschinen, die Abläufe und die verschiedenen Aufgaben. Er zeigt, wie Klingen erst im Feuer gehärtet und dann im Tiefkühler wieder biegsam gemacht werden. Die Kinder machen grosse Augen: In den Hallen läuft viel, es ist laut, es wird gehämmert, gebohrt, geschliffen. Mit Maschinen aber auch von Hand. Toni Blaser nimmt die Nachwuchstüftler mit in den Hallenteil, der extra für die Lernenden eingerichtet wurde. David und mehrere Kollegen und eine Kollegin sind dort konzentriert am Arbeiten.

Die kleinen Besucher sind begeistert. Sie würden die Tour am liebsten noch weiterführen. Im Keller würde ein 3D-Drucker stehen, haben sie gehört. Leider reicht die Zeit an diesem Morgen dafür nicht.

Bestimmt bekommen die neugierigen Jungs und Mädchen aber noch so einen Drucker zu sehen. Bei einer anderen Gelegenheit. Und vielleicht schon ganz bald. Denn Aktionen und Angebote wie die Exkursion während dem TüftelCamp gibt es einige.

Grosse Nachfrage nach Angeboten für Nachwuchstüftler

So organisiert Victorinox zum Beispiel Ferienpass-Workshops direkt im Betrieb. Auch tüfteln.ch hat mehrere Projekte, die dem Nachwuchs Einblick in Firmen ermöglicht: Bei "Tüftelfreunde" arbeiten Kinder und Jugendliche mit Lernenden und erfahrenen Tüftlern zusammen an Experimenten und Projekten. Jeweils direkt vor Ort im Betrieb. Auch "tüftlerin.ch" öffnet Türen: Die Workshops richten sich aber speziell an Mädchen.

All diese Massnahmen sollen dem Fachkräftemangel in MINT-Berufen entgegenwirken. Auch die Tüftellabore rund ums TüftelCamp verfolgen diese Mission: Mit ihren Werkstätten wollen sie Kindern in einer digitalen Zeit die Möglichkeit bieten, zu erleben, wie es mit den Händen zu arbeiten und zu merken, dass dies Spass macht. Ob das fruchtet, wird sich zeigen.

Auf jeden Fall ist die Nachfrage gross: Die Ferienpass-Angebote bei Victorinox, die Workshops in den Tüftellaboren und bei den Tüftelfreunden oder auch das TüftelCamp sind jeweils innert kürzester Zeit ausgebucht.

Mehr zu den Tüftelfreunden:
www.tüftelfreunde.ch

Mehr zu tüftlerin.ch:
www.tüftlerin.ch

Mehr zu Angeboten, Partnern und Initiativen für den MINT-Nachwuchs:
www.tuefteln.ch/netzwerk

Eine Übersicht der verschiedenen Förderangebote gibt es auch hier:
www.educamint.ch

Mehr zu den Ausbildungsmöglichkeiten im MINT-Bereich:
www.gateway.one/de-CH/newsleser/mint-berufe-fuer-die-zukunft.html

Mehr zu den Ausbildungen bei Victorinox:
www.victorinox.com/ch/de/Berufsbildung/cms/about-apprentices