"Kinder sollen verstehen, wie etwas funktioniert"

Das diesjährige Motto bringt die TüftelCamper in Fahrt: Die Jungs und Mädels tüfteln in den Labors an drei Tagen rund ums Thema "Forschungsmobil". An jedem Standort sieht dies anders aus: Die einen arbeiten mit bereitgestellten Bausätzen, andere bauen gemeinsam ein grosses Mobil und wieder andere lassen den Nachwuchstüftlern freie Hand. Das Campthema und -programm wurde von einer Gruppe Studenten der Zürcher Hochschule der Künste ausgearbeitet. Claudia Bluntschli hat im Rahmen ihrer Bachelorarbeit in der Konzipierung mitgewirkt. Im Tüftelwerk Luzern beobachtet sie nun, ob die Ideen ankommen bei den Kids.

"Schau, jetzt kannst du da mit einem Gummiband die Spannung zwischen den Rädern herstellen", erklärt Claudia Bluntschli einem Nachwuchstüftler, der neben ihr an der Werkbank sitzt. Der Junge arbeitet mit einem Bausatz aus Sperrholz. Er steckt und leimt kleine Räder, Holzstäbchen, Kegel und Wände zu einem bewegten Mobil zusammen. Tönt einfach, ist zuweilen aber knifflig, wie der Tüftler feststellt. Aber Claudia Bluntschli weiss, wie's geht. Sie und ihre Studienkollegen haben die Bausätze entwickelt. Es gibt verschiedene Versionen: Jede sorgt für ein anderes Bewegungsmuster. Mit den Bausätzen soll den Teilnehmern des TüftelCamps aufgezeigt werden, was kinetische Konstruktionen sind und wie sie in einem zweiten Schritt selber, Bewegung in ihr Mobil bringen können.

Ein Konzept - verschiedene Voraussetzungen 

Die Studenten der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK) haben im Rahmen ihrer Bachelorarbeit für den Studiengang "Art Education" das Thema und Programm für das TüftelCamp 2018 erarbeitet. Ob das Konzept auch in der Praxis funktioniert, will Claudia Bluntschli nun vor Ort herausfinden. Sie begleitet die Tüftler und Tüftlerinnen in Luzern, beobachtet und hilft beim Experimentieren. 

"Die Schwierigkeit im Vorfeld war, dass wir zwar ein festes Programm ausarbeiten sollten, das aber gleichzeitig so flexibel und anpassbar ist, dass es für jeden Standort passt", erklärt die 25-jährige Bernerin. Denn nicht jeder Standort hat die gleichen Möglichkeiten. Während die einen über eine ausgerüstete Werkstatt mit allem Drum und Dran verfügen, haben andere nur wenig Platz und Hilfsmittel zur Verfügung.

Das Programm zum Thema "Forschungsmobil" soll dem gerecht werden: Wer will, kann mit den Bausätzen arbeiten, welche die Studierenden den Standorten zur Verfügung stellen. Wer "mehr" will oder bieten kann, lässt den Kindern freie Hand.

Beim Tüfteln gibt es keine pfannenfertigen Lösungen

Die Idee scheint aufzugehen. So sagt Conny Baumann, Leiterin des Standorts Wil: "Als Pop-up-Labor haben wir leider nicht dieselben Möglichkeiten, wie andere." Dies trübt den Tüftelspass aber gar nicht. In Wil wird fleissig experimentiert mit den Bausätzen. Eine kunterbunte Sammlung an Mobilen mit Gesichtern, Figuren und anderen Verzierungen ist so zusammengekommen. In Kriens hingegen arbeiten die Tüftler und Tüftlerinnen in Kleingruppen an eigenen Wagen: Dabei kommen die unterschiedlichsten Materialien zum Einsatz.

Im Labor in St. Gallen sind die Meinungen wiederum geteilt: Während die einen den Bausatz toll finden und ihn mit Gummizügen und selbstgebauten Motoren und Batterien "aufpimpen", wollen andere lieber selbstständig etwas erfinden. Beides ist möglich. In Luzern arbeitet die ganze Gruppe an einem einzigen grossen Tüftelmobil.

Neugier als Antreiber

Genau so soll es sein: "Das Wichtige am Tüfteln ist der Prozess", sagt Claudia. "Die Kinder sollen durchs Selbermachen, verstehen, wie etwas funktioniert." Und natürlich Freude daran haben. Durchs Ausprobieren und Experimentieren würden sie weiterkommen, sich entwickeln. "Tüfteln bedeutet Prozesse zu verstehen, wissen zu wollen, wie etwas funktioniert und Verständnis zu schaffen", fasst es die junge Frau in Worte. Und dazu gehöre auch, Fehler zu machen. "Solange bis am Ende die eigene Idee Realität wird."

Die Studentin ist gespannt, was sie an den kommenden Camptagen noch alles erleben wird. Bereits jetzt ist sie aber beeindruckt: "Ich staune immer wieder, was die Kinder schon alles wissen und können." Und besonders freut es sie immer wieder mitzuerleben, was für ein starker Antrieb die Neugier sein kann.