Faszination Tüfteln: Rarer Raum zum Ausprobieren

Tüfteln fasziniert und begeistert - das zeigt das sechste TüftelCamp: Rund 200 Kinder nehmen teil dieses Jahr und experimentieren vom 9. bis 12. Oktober rund ums Thema "Forschungsmobile". Das sind so viele Nachwuchstüftler wie noch nie. Die Plätze waren innert kurzer Zeit ausgebucht und die Labors mussten Wartelisten führen. Was macht die Faszination aus? Wir haben am ersten Tag den Tüftlern und Tüftlerinnen in Luzern und Kriens über die Schulter geschaut und nachgefragt.

Im Tüftelwerk in Luzern wird an diesem Diestagmorgen eifrig gehämmert, gebohrt, gezeichnet, geschnitten und geleimt. 16 Jungs und Mädels nehmen hier am TüftelCamp teil und arbeiten seit neun Uhr an Bauteilen für ein grosses Forschungsmobil. Mit dem Gefährt wollen sie am Freitag, zum Campabschluss, einen Umzug veranstalten: Die Tüftler wollen mit ihrer Konstruktion an der Luzerner Määs für ordentlich Lärm - und Staunen - sorgen. 

So viele Nachwuchstüftler wie noch nie

So wie in Luzern sieht es an diesem Morgen in zwölf weiteren Werkstätten und Labors aus: 13 Standorte in den unterschiedlichsten Regionen der Deutschschweiz wirken mit am sechsten TüftelCamp von tüfteln.ch. Das Thema, das sie bearbeiten, ist im Rahmen einer Zusammenarbeit mit der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK) entstanden: Eine Gruppe Studenten hat ein Campprogramm zum Thema "Forschungsmobile" erarbeitet. Dabei stehen kinetische Konstruktionen im Fokus. 

Tüfteln begeistert, macht Spass und Platz und Zeit, zum Tüfteln ist offenbar gefragt: Die Plätze an allen Standorten waren innert kurzer Zeit vergeben und es mussten Wartelisten geführt werden. Rund 200 Kinder werden dieses Jahr vom 9. bis 12. Oktober zu kleinen Daniel Düsentriebs - das sind so viele wie noch nie! 

Eigene Ideen umsetzen und Neues ausprobieren

Was den Reiz ausmacht, ist nach wenigen Gesprächen mit Jungs und Mädels in den Labors in Luzern und Kriens klar: In den Tüftellabors und Werkstätten können sie kreativ arbeiten. Viel wichtiger aber: das freie Ausprobieren, nach eigenen Vorstellungen, Ideen umzusetzen. "Wir können in der Schule schon mit Werkzeugen und verschiedenen Materialien arbeiten", sagt zum Beispiel Florian (10), der im Labor Luzern in Kriens mittüftelt. "Aber es ist immer nach Anleitung und mit einer klaren Aufgabe verbunden."

Im TüftelCamp sei das Thema zwar auch vorgegeben, hängt sein Kollege Niklas (10) an. "Aber: Wie unsere Konstruktionen am Ende aussehen und wie wir vorgehen - darin sind wir völlig frei!" Zudem habe man in der Schule oder auch Zuhause nicht all die tollen Materialien und Werkzeuge zur Verfügung wie hier. Dies scheint vor allem auch für die Mädchen ein Thema.

Mit einem Kopfschütteln und Grinsen erzählen die Luzernerinnen Giulia (11) und Alina (9): "In der Schule müssen wir immer mit Stoff arbeiten. Meistens müssen wir etwas nähen." Im Tüftelwerk im Luzern hingegen können die beiden mit Bohrmaschine, Heissleimpistole oder Säge hantieren. Und dies tun sie wie die Profis.

Fehler machen, neue Wege suchen - weiterkommen

Auch wenn viele der Nachwuchstüftler sicher sind im Umgang mit all den Maschinen und Werkzeugen, hat an allen Standorten immer jemand ein wachsames Auge auf die jungen Handwerker. In Luzern zum Beispiel Laborleiter Manfred. Er weiss genau, wann er eingreifen muss und wann er einfach zuschaut, zuhört oder einen Rat gibt. Zurückhaltung ist ihm wichtig. "Meine Aufgabe ist es eigentlich, so wenig wie möglich zu machen", sagt er mit einem Lächeln. "Ich nehme die Kinder und ihre Ideen ernst: Lasse sie machen - und lasse sie auch Fehler machen."

Das Tüftelwerk soll ein Raum sein, in dem Kinder ausprobieren können - und so weiterkommen. "Dank dem Tüfteln lernen Kinder nicht nur, mit den Händen zu arbeiten", so Manfred. "Sie lernen auch Verantwortung für ihr Handeln zu übernehmen, weiterzudenken, wenn etwas mal nicht funktioniert. Und sie erfahren, wie man zusammenarbeitet." 

Lebenslektionen und Lebensträume

Tüfteln als Lektion fürs Leben: Dass dies nicht nur Floskeln sind, zeigen nur wenige Stunden in einem der Camp-Tüftellabors. Immer wieder scheitern Experimente und die Nachwuchstüftler suchen neue Lösungen. Nicht frustriert, sondern motiviert, voller Vorfreude auf das Endergebnis. Immer wieder sieht man Zweiergespanne oder Grüppchen, die sich beim Hantieren mit Werkzeugen und Maschinen helfen, Ideen austauschen und gemeinsam ein Projekt weiterentwickeln.

Wenn es auch erst der erste Tag des TüftelCamps 2018 war: Für die meisten Teilnehmenden ist klar: Sie wollen wiederkommen - entweder ans nächste Camp oder zum Tüfteln ins Labor. Dies einfach, weil es ihnen Spass macht, "weil es cool ist hier". Oder aber, weil Tüfteln ihr Lebenstraum ist. So wie beim zehnjährigen Niklas, der schon seit dem Kindergarten Erfinder werden will. Oder wie bei der neunjährigen Ella, die weiss, dass sie später an der ETH Robotik studieren will. Und in der Tüftelwerkstatt alles findet, was sie braucht, um bereits jetzt ihre eigenen Roboter zu bauen.